ein tag auf der reise 1 20171228 1680378319Stiftungsräte Peter Hobi und Markus Schmid waren im Oktober auf Kontrollreise. Wir geben einen Einblick mit einem Ausschnitt aus der Berichterstattung von Peter Hobi; ein Tag der sehr erlebnisreichen, anstrengenden und bereichernden Zeit in Ecuador.  

Bericht: Peter Hobi; Fotos: Beatrice Siegrist

Mittwoch, 18. Oktober

Markt in Salasaca

ein tag auf der reise 2 20171228 1572995008Die Fahrt geht nach Salasaca. Hier lebt seit über 600 Jahren die gleichnamige Volksgruppe. Sie sind wohl im 15. Jh. von den Inkas aus dem bolivianischen Hochland vertrieben worden. Typisch für sie ist die auffällige Kleidung: weisse Baumwollhosen und Hemden, worüber ein schwarzer, knielanger Poncho getragen wird.

Bei unserer Ankunft öffnen gerade die ersten Marktstände, wo Arbeiten aus Lama-, Alpaka- oder Schafwolle, gewobene Teppiche und unzählige Souvenirs angeboten werden. Lustig ist, dass in allen Ständen die gleichen Produkte verkauft werden.

Zahnbürsten für Kita

ein tag auf der reise 3 20171228 1884284889Wir fahren hoch zum Nitón, einem Berghügel auf 3000m Höhe, wo wir eine Kindertagesstätte besuchen. Diese gehört zu rund zehn Horten mit jeweils 30-40 Kleinkindern, die am von uns finanzierten Gesundheitsprogramm mitmachen. Die Tagesstätten werden vom Staat nur so weit unterstützt, dass die Personalkosten übernommen werden. Vieles andere wie Ernährung, Infrastruktur, Schulung der Eltern und der Mitarbeitenden, Material, usw. muss irgendwie beschafft werden. Wir haben dies für zwei Jahre übernommen und hoffen, dass bis dahin eine anderweitige Lösung gefunden werden kann. Die rund dreissig Kleinen und Kleinsten sind gerade am Essen der morgendlichen Zwischenverpflegung. Die 1-2-ährigen Kinder essen selbständig und mit Heisshunger, was auf dem Teller liegt, nämlich Erdbeeren und Wassermelonen. Von der Schweizer Firma Trisa haben wir Kinderzahnbürsten als Geschenk mitgebracht. Mit grossen Augen erhält jedes Kind eine solche. Da die Zahnbürsten in Plastik eingepackt sind, entwickelt sich in kurzer Zeit ein Rascheln, Klopfen und Schlagen. Es scheint, die Kinder haben Freude daran. Die Kinder werden frühmorgens gebracht, erhalten vier Mahlzeiten im Tagesverlauf und werden ab 16.00 von den Eltern wieder abgeholt. Teilnehmen dürfen vor allem Kinder aus armen und ärmsten Familien.

Gemüse und Kochkurse

ein tag auf der reise 5 20171228 2028230744Im Schulgarten wird einerseits für den Eigenbedarf Gemüse angebaut (Broccoli, Salat, Kohl, Randen), andererseits erhalten die Eltern einen Teil der Ernte für den Eigenbedarf, da sie auch Fronarbeit (Minga) im Schulgarten leisten. Zudem dürften sie auch immer einen Teil der Setzlinge nach Hause nehmen, um den eigenen Gemüsegarten zu bepflanzen. Da für viele Indígenas einzelne Gemüsesorten unbekannt sind, werden auch Kochkurse angeboten.

Politik und Needling

Weiter geht es nach Mocha, zum Zentrum für Kinder und ältere Personen mit Behinderungen in Mocha. Das Zentrum wurde vor drei Jahren eingeweiht. Weil 2015 ein neuer Alcalde des Ortes gewählt wurde, musste das Zentrum fast schliessen. Der neugewählte Leiter wollte aus politischen Gründen ein eigenes Zentrum errichten. Das ging so weit, dass er von uns finanziertes Material abtransportieren liess, um das andere Zentrum damit auszustaffieren. Dank unserer Überbrückungshilfe kann das Zentrum knapp überleben. Vorerst werden aber vor allem arme, mittellose Menschen mit Behinderungen ein tag auf der reise 6 20171228 1456187797tagsüber betreut. Sie erhalten Therapien, es wird mit ihnen gesungen und gespielt und alle werden auch verpflegt. Das Heim ist ausserordentlich sauber. Die Räumlichkeiten sind in hellen Farben gehalten. Das Betreuungspersonal ist mit Freude bei der Sache. Interessant ist, dass die junge Physiotherapeutin mit neusten Methoden arbeitet (Taping, chinesische Medizin, Needling, usw.). Markus macht ihr gleich spasseshalber in seiner Arztpraxis mitzuarbeiten. Es zeigt sich, dass die Hilfe dringend nötig ist. Noch dringender jedoch ist, dass der ziemlich korrupte Alcalde keine weitere Amtszeit amten darf. Laut den Mitarbeitenden wird dies leider erst anfangs 2019 entschieden, aber schon jetzt wünschen die meisten Leute aus Mocha diesen Mann ins Pfefferland.

Nach einem gemeinsamen Essen geht es zurück nach Ambato ins Büro der Fundyvida. Ich muss auf dem Weg dahin vor Müdigkeit eingeschlafen sein. Jedenfalls war ich völlig überrascht, dass wir plötzlich uns so schnell zurück in der Stadt waren. Ja, es ist schon ziemlich anstrengend tagelang unterwegs zu sein, intensive Gespräche auf Spanisch zu führen.

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